Gedanken kramen

Corona Selbständig Online

Ein Artikel im Rahmen der Blogparade "Corona Selbständig Online" von Eva Peters. Danke für die Idee des Zurückschauens.

"Corona Selbständig Online" 
drei Worte - drei Überschriften

Alle meine Kunden begrüßte ich zu Beginn des Jahres 2020 mit den Worten: Das wird ein gutes Jahr!

Dann kam Corona und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Was habe ich da geredet?

Corona 

Plötzlich war alles anders. Kurz vor der Ansprache unserer Kanzlerin im März 2020 lerne ich den Begriff Lockdown kennen. Ich ziehe mit meinem Mann spontan aus Berlin in unsere kleine Sommerlaube ins Havelland. Wir sind privilegiert.

In dieser Zeit beobachte ich in der Arbeit unterschiedlichste Verhaltensweisen meiner Kunden. Die meisten sind in Habachtstellung. Dieser konstante Stresszustand, fordert permanente Anpassungsleistungen. Eine große Herausforderung ist der Umgang mit den entstehenden Emotionen. Diese weltweite Krise mit ihren diversen Aspekten befördert Unsicherheit geradezu. Neben der Angst um Leib, Leben oder die Existenzgrundlage, sind es vor allem die von außen auferlegte Beschränkungen und Vorgaben. Zum Beispiel, dass man sich entgegen der gelernten Normen bewegen und begegnen soll. Ein neues Nähe Distanz Verhalten muss gelernt und eingehalten werden. Das ist unnatürlich, anstrengend, stößt auf Widerstand und stellt ein Gefühl von Ohnmacht her. Viele Menschen sind unschlüssig, fühlen sich bedroht, erleiden einen Kontrollverlust. Hier wird leidenschaftlich diskutiert. Die Reaktionen sind vielschichtig. Häufig angstmotiviert, panisch, egoistisch, unvorsichtig, ignorant und gedankenlos, aber auch abwartend, umsichtig und bedacht. Ich fange auf, unterstütze beim Entwickeln von Ideen und kann mit Strategien aus dem Stressmanagement entlasten.

Selbständig 

Ich sitze also in meiner Laube, mit W-LAN Stick und  mobilem Hotspot kann ich einigermaßen arbeiten. Zu Beginn fühlt es sich seltsam befreit an, vielleicht weil ich nun jeden Tag meinen Garten genießen darf? Meine Praxisräume in Berlin nutze ich bloß außerhalb der Lockdowns. Der Organisationsaufwand ist immens, doch ein Großteil meiner Coaching Kunden und Supervisionsteams wollen versuchen Online zu arbeiten. Gegenseitiges Verständnis, Solidarität und Dankbarkeit ist spürbar. Wir sitzen alle im selben Boot.

Viele Teams sind froh, den Raum für Supervision zu haben, arbeiten sie doch in Kitas, Frauenhäusern, Hospizen, Schulen etc. Soziale Einrichtungen trifft es hart.

Im Coaching begleite ich vor allem Führungskräfte, die nun vom Homeoffice aus agieren müssen. Sie sind besonders gefordert. Alles soll irgendwie weitergehen in dieser ungewissen Zeit. Ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Flexibilität wird verlangt. Es mag seltsam anmuten, aber diese Krise bietet eine breites Übungsfeld zum Wachsen.

Ich entscheide mich, vor allem Raum für Austausch, Entlastung und Impulse zu geben. Dafür biete ich einmal wöchentlich eine gemeinsame virtuelle Pause an. Natürlich gratis. In Gärtnersprache: Dünger für die Seele. Das wird gut angenommen. Trotz Krise ist mein Terminkalender gefüllt.

Online

Seit 2015 bin ich dabei meine Beratungspraxis auch Online auf den Weg zu bringen. Trotz meines Werbens für virtuelle Formate, wurde diese Arbeitsform bis dato nur vorsichtig angenommen. Probleme von Führungs- oder Fachkräften im Business sind häufig schambesetzt und werden vorzugsweise persönlich von Angesicht zu Angesicht besprochen.

Doch plötzlich sind alle regelrecht gezwungen, sich mit dem Thema Videokonferenzen auseinanderzusetzen.

Zoom ist mir zwar vertraut, aber zumeist als Teilnehmerin und zuweilen im Gespräch mit Einzelpersonen. Nun weite ich das Angebot für meine Supervisionsteams aus. Dabei experimentiere ich mit Tools, die ich sonst nur direkt in meiner Praxis einsetze, sammle Online Erfahrungen. Einige sind super, andere verwerfe ich. Sogar die wingwave Methode kann ich nun Online anbieten. In der genutzten Häufigkeit empfinde ich Coachings und Supervisionen Online, deutlich anstrengender als erwartet und plane nun eine Stunde zwischen den einzelnen Beratungsterminen ein. So kann ich Geist, Seele und Körper auf die nächsten Menschen einstellen und allen gerecht werden.

Ende 2019 lernte ich von Eva Peters (DANKE, liebe Eva), wie ich Online Workshops durchführen kann. Was für ein super Format. Kleine, private Gruppen, ganz bequem, zeitlich überschaubar, mit wenig Aufwand für die Teilnehmer*innen. Die Sommerworkshops aus der Sommerlaube erblicken 2020 das Licht der Welt. Natürlich biete ich in meinem Überschwang gleich drei Workshops an. Die Inhalte sind doch da, denke ich. Obwohl ich schon seit über 20 Jahren mit Teams arbeite und dementsprechende Erfahrungen sammeln durfte, ist das Online arbeiten wieder ein neues, besonderes Feld, was einiges an Wissen, Methodik und Didaktik abverlangt. Am Ende ist es irre viel Arbeit und es haben nicht einmal alle Workshops stattgefunden. Dennoch es ist ein kleiner Anfang. Seit 2018 habe ich ein Webinar im Gepäck. Bevor die Workshops starten, krame ich es heraus, passe es an und halte es zweimal live. Trotzdem ich nur wenig Werbung mache, kommen einige Interessierte zusammen. Man, was bin ich aufgeregt. Das Feedback ist sehr gut und ich bekomme viele Anregungen.

Im Sommer relaunche ich meine Webseite, specke ab, fokussiere mich. Mal wieder. Das wirkt reinigend und ich bin sehr zufrieden. Dafür habe ich einen Kurs von Madita Schäkel (wirklich empfehlenswert) besucht, meine Freebies neu überarbeitet und mehrere Landingpages erstellt. Von Lisa Kosmalla habe ich gelernt meine Workbooks beschreibbar zu machen. Das bietet die sehr schöne Möglichkeit, diese gleich am PC ausfüllen zu können.

Überhaupt finde ich es wichtig, sich Unterstützung zu suchen. Es gibt sehr gute Fachfrauen, natürlich auch Männer z.B. Frank Katzer 🙂
Außerdem sichere ich meine Qualität. Eine wichtige Fachkollegin in der Intervision ist für mich Frau Dr. Barbara Zeitler. Wertvoll ist mir in meinem Netzwerk der Kontakt zu interessanten Frauen aus anderen Bereichen. Wir unterstützen uns, geben uns konstruktives Feedback, bauen uns auf und feiern. Besonders gern nenne ich hier Christine Kronshage Feng Shui Beraterin. Sie sagte einmal: "Ich kümmere mich um das Außen und du um das Innenleben." Das gefiel mir gut. Außerdem möchte ich auch Petra Velten erwähnen, die mit Ihren Deutschkursen eine wichtige Arbeit leistet. Ich hätte nicht gedacht, dass auf diesem Weg emotional tiefe Verbindungen entstehen können.

Und nun?

Seit Juli habe ich mich mit meinen Business Accounts auf Facebook und Instagram etwas zurückgezogen. Die Geschwindigkeit und das "Schneller, Höher, Weiter" stresst mich. Befragungen haben ergeben, dass meine Kunden eher auf LinkedIn und Xing unterwegs sind. Das werden dann wohl meine bevorzugten Kanäle in den nächsten Jahren. Natürlich werde ich einmal monatlich in "Gedanken kramen", weiterhin im pädagogischen Fachmagazin WAMIKI publizieren und Pinterest nutzen. Soweit mein Plan.

P.S. Privat ist online irre viel passiert. Auch wenn ich in diesem Jahr mit meiner Band "soalsojedenfalls" keine Konzerte spielen konnte, habe ich gelernt Videos zu schneiden. Zwei meiner Songs sind so in Filmen verewigt und auf Youtube zu finden. Überhaupt haben wir unglaublich viel Musik produziert und super schöne Studioaufnahmen gezaubert.

Was für ein Jahr! Irgendwie hatte es auch Gutes.

Brecht schrieb:
„Die Mühen der Gebirge haben wir hinter uns, vor uns liegen die Mühen der Ebenen.“

Ich mag Herausforderungen und bin gespannt, was sich 2021 entwickeln wird.

Was denken Sie dazu? Lassen Sie uns diskutieren. 
Ich freue mich über Ihren Kommentar

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  1. Trotzdem dieses letzte Jahr für die meisten Leute wirklich schwierig war, freue ich mich doch immer wieder darüber, wie es uns doch "in den Hintern getreten" hat, damit wir endlich digital in die Spur kommen. Schade, dass es manche Bereiche eben doch nicht geschafft haben, mitzuziehen. Aber ich freue mich, dass es für dich so gut funktioniert hat. Und Hut ab vor diesem Kraftakt!

    1. Liebe Lotte, vielen Dank für deine Worte. Sehe ich auch so. Die Ressourcen werden zumeist nicht klug verteilt und es gibt Bereiche, da ist es unmöglich oder zumindest eine riesen Herausforderung digital unterwegs zu sein. ich bleibe dran und versuche so gut wie möglich zu unterstützen. Auch für dich und deinen Bereich alles Gute im neuen Jahr 🙂

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