Gedanken kramen

Burnout bei Führungskräften

Warum es sich lohnt, früher hinzuschauen

Erinnerungen

Ich weiß, wovon ich hier schreibe. Als junge Chefin habe ich für meine Arbeit gebrannt, manchmal mehr, als mir gutgetan hat. Die ersten Zeichen habe ich lange übersehen. Ich schlief schlechter, war schneller gereizt und konnte abends kaum noch abschalten. Das gehört eben dazu, dachte ich. Und im Vergleich zu dem, was ich jeden Tag bei meiner Arbeit gesehen habe, ging es mir doch gut. Irgendwann habe ich mir Unterstützung geholt und dabei viel über mich gelernt.

Vielen Führungskräften geht es ähnlich. Sie sind leistungsfähig, sie tragen Verantwortung, und andere verlassen sich auf sie. Wenn es zu viel wird, machen sie einfach weiter. Bis Disziplin allein nicht mehr reicht und die Frage auftaucht: Bin ich nur erschöpft, oder ist das schon mehr?

Erfahrungen

Es beginnt unauffällig

Burnout stellen sich viele als plötzlichen Zusammenbruch vor. In meiner Arbeit erlebe ich es fast immer als schleichenden Prozess. Wer zurückschaut, erkennt die ersten Signale oft wieder: schlechter Schlaf, weniger Geduld, weniger Freude an der Arbeit, und der Feierabend fühlt sich nicht mehr wie Feierabend an. Meistens wurden diese Zeichen als normale Begleiterscheinung eines anspruchsvollen Berufs abgetan.

Führungskräfte haben gelernt, viel auszuhalten. Im Beruf ist das eine Stärke. Bei den eigenen Grenzen wird es zum Problem, weil die Reserven schwinden, ohne dass es jemand bemerkt, oft nicht einmal Sie selbst.

Woran Sie es merken können

Ob jemand im Burnout ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Eine ernsthafte Einschätzung gehört zu Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen. In meiner Arbeit begegnen mir aber immer wieder dieselben Warnzeichen:

  • anhaltende Erschöpfung
  • innere Unruhe
  • Schlafprobleme
  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
  • zunehmende Gereiztheit
  • das Gefühl, innerlich abzustumpfen
  • Rückzug von Kolleg:innen oder Freund:innen
  • das Gefühl, nur noch zu funktionieren

Besonders hellhörig werde ich, wenn Erholung nicht mehr gelingt, auch im Urlaub nicht, oder wenn Dinge, die früher wichtig waren, kaum noch etwas bedeuten. Wenn Sie sich darin wiederfinden, holen Sie sich bitte auch ärztlichen Rat.

Erschöpft oder ausgebrannt?

Nach einer intensiven Phase ausgelaugt zu sein, ist normal. Entscheidend ist, wie lange es anhält und ob Sie sich wieder erholen. Normale Erschöpfung wird mit Ruhe besser. Bei einem Burnout bleibt sie, obwohl Sie sich ausruhen. Der Körper liegt auf dem Sofa, aber im Kopf dreht sich das Gedankenkarussell weiter, und die freie Zeit fühlt sich nicht frei an.

Warum es gerade die Engagierten trifft

Lange hieß es, Burnout sei eine Frage der Schwäche. Das stimmt nicht. Gefährdet sind vor allem Menschen, die engagiert sind, Verantwortung übernehmen und viel leisten wollen. Oft stecken innere Antreiber dahinter, die sie schon lange begleiten:

  • „Ich muss stark sein.“
  • „Ich darf keine Schwäche zeigen.“
  • „Ich muss alles im Griff haben.“
  • „Ich darf niemanden enttäuschen.“
  • „Ohne mich funktioniert es nicht.“

Solche Sätze tragen lange und machen erfolgreich. Mit der Zeit drängen sie aber die eigenen Bedürfnisse an den Rand, und irgendwann geht der Kontakt zu sich selbst verloren. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

Wenn Verantwortung zu viel wird

Verantwortung zu tragen heißt nicht, alles allein zu tragen. Trotzdem übernehmen viele Führungskräfte mehr, als ihre Rolle verlangt. Sie lösen Probleme, bevor andere sie bemerken. Sie springen ein, wenn Personal fehlt. Sie gleichen aus, was im System nicht funktioniert, und arbeiten länger und mehr als nötig.

Dabei sind es oft die Rahmenbedingungen selbst, die das verlangen: zu wenig Personal, gekürzte Mittel, immer neue Anforderungen von außen. Das haben Sie sich nicht ausgesucht. Von außen sieht Ihr Einsatz bewundernswert aus. Innen wächst die Last, bis Sie sich für alles verantwortlich fühlen und kaum noch etwas beeinflussen können.

Was wirklich hilft

Zeitmanagement und gute Arbeitstechniken können helfen. Meistens greifen sie aber zu kurz, weil die Ursache tiefer liegt: in inneren Erwartungen, persönlichen Mustern und Überzeugungen, die uns seit vielen Jahren begleiten. In Coaching und Supervision schauen wir deshalb zuerst, was hinter der Erschöpfung steckt. Erst dann lassen sich neue Wege finden, die auch halten.

Experimente

Wer andere führt, steckt viel Kraft in die anderen und vergisst dabei oft sich selbst. Mit mehr Disziplin hat Selbstführung allerdings wenig zu tun. Es geht darum,

  • sich selbst wahrzunehmen,
  • die eigenen Grenzen ernst zu nehmen,
  • die eigenen Bedürfnisse zu erkennen,
  • rechtzeitig gegenzusteuern
  • und Verantwortung nicht mit Selbstaufgabe zu verwechseln.

Das ist die Voraussetzung dafür, dass Sie auf Dauer wirksam bleiben. Nehmen Sie sich einmal Zeit für diese Fragen:

  • Warum fällt es mir schwer, Grenzen zu setzen?
  • Warum übernehme ich so viel Verantwortung?
  • Warum kann ich nicht abschalten?
  • Was treibt mich eigentlich an?
  • Was brauche ich wirklich?

Früher hinschauen lohnt sich

Viele holen sich erst Unterstützung, wenn es kaum noch auszuhalten ist. Früher ist besser: wenn die ersten Warnzeichen auftauchen, die Freude an der Arbeit nachlässt, die Erschöpfung zunimmt oder Sie das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren. Nehmen Sie diese Signale ernst. Sie müssen nicht alles allein tragen.

In Coaching oder Supervision können Sie Ihre Belastung in einem geschützten Rahmen sortieren und neue Wege für sich finden. Coaching und Supervision ersetzen dabei keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, sie können sie aber gut ergänzen.

Gute Führung beginnt manchmal genau dort, wo wir aufhören, uns selbst zu verheizen.

Im kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wie Coaching oder Supervision Sie unterstützen kann. Das dauert etwa 30 Minuten und geht auch online.

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